Pressemitteilung vom 16.10.2013

Lieber Herzmassage als Mundbeatmung: Neue Richtlinien für Erste Hilfe am Unfallort

 Chefärztin Dr. med. Marohl

Interdisziplinäre Notfallambulanz Porz klärt auf

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt Erste Hilfe geleistet? Beim Fahrtraining zur Führerscheinprüfung? Das kann mitunter Jahrzehnte her sein und ist spätestens seit wenigen Wochen eh überholt. Seither gelten nämlich bundesweit neue Richtlinien für den Notfall, wie Dr. Ranka Marohl, Chefärztin der interdisziplinären Notfallambulanz im Krankenhaus Porz am Rhein, erklärt. Künftig lautet die Empfehlung nur noch: 100 Herzdruckmassagen in der Minute. Studien nämlich haben gezeigt, dass sich allein dadurch bereits die Überlebenschance des Opfers signifikant erhöht. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist also zusätzlich nicht zwingend erforderlich, wenngleich natürlich nach wie vor möglich.

"Weil sich aber viele Menschen vor der Mund-zu-Mund-Beatmung ekeln, ist die Gefahr natürlich groß, dass sie Erste Hilfe komplett unterlassen. Das gilt es natürlich zu verhindern", sagt Dr. Ranka Marohl. Bevor der Ersthelfer mit der Reanimation beginnt, sollte auf jeden Fall der Rettungswagen unter der Notrufnummer 112 verständigt werden. "Das hat den Vorteil, dass die Profis bereits unterwegs sind, während sich der Ersthelfer vor Ort um den Patienten kümmert."

Menschen, die drum herum stehen, direkt ansprechen und um Hilfe bitten

Eine Reanimation ist nur dann nötig, wenn der Patient sowohl bewusst- als auch leblos ist. Betroffene sind also nicht mehr ansprechbar, blass, haben nicht selten blau angelaufene Lippen und atmen nicht mehr. "In so einer Situation sollten Sie um Hilfe rufen, damit sie sich mindestens zu zweit um den Patienten kümmern können: Der eine ruft den Notarzt, während der andere bereits reanimiert. Wenn Menschen um Sie herum stehen, sprechen Sie jemanden direkt an. Das hat sich bewährt, weil dieser sich dann verpflichtet fühlt zu helfen", sagt Dr. Marohl.

Tipp von der Expertin: Lieber „Feuer“ als „Hilfe“ rufen

Wenn der Ersthelfer nicht in unmittelbarer Umgebung Verstärkung sieht, sollte er anstatt "Hilfe" lieber "Feuer" rufen. "Praxistests haben gezeigt, dass viele Menschen eher kommen, wenn sie den Ruf "Feuer" hören", erklärt Dr. Marohl. Dann ist mit der Reanimation zu beginnen. Wer die Herzdruckmassage mit der Mund-zu-Mund-Beatmung kombiniert anwenden will, sollte dies im Verhältnis 30:2 machen - also dreißig mal den Brustkorb eindrücken, danach zweimal den Mund oder die Nase beatmen und dann alles wiederholen. Lautes Mitzählen kann dabei helfen. "Wichtig ist, dass ein Ersthelfer weiß, dass er nichts falsch machen kann. Selbst wenn ein Patient verstirbt, trifft den Ersthelfer keine Schuld. Im Gegenteil: Er wird nur dann zur Rechenschaft gezogen, wenn er nicht hilft."


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Jennifer Engel
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