Pressemitteilung vom 29.07.2018

Herzkrank in den Urlaub - darauf sollten Betroffene achten

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Ob im Urlaub oder bei diesen hohen Temperaturen zu Hause: Herz-Patienten sollten speziell im Hoch-Sommer einige wichtige Regeln beachten, um die Zeit weitgehend beschwerdefrei und vor allem sicher zu verleben. Prof. Dr. Marc Horlitz, Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Porz am Rhein, hat für Betroffene eine Reihe von praktischen Tipps zusammengestellt, die in Urlaubs- und Hitzeregionen spürbar helfen. Zum Teil relativiert er dabei die Wirkung von landläufig empfohlenen „Hausmittelchen“ und hält einige verblüffende, aber sehr effektive Hinweise parat.

Herzschwäche: Trinken trotz Wassereinlagerung?
Eine große Gefahr bei Menschen mit schwachem Herzen ist bei übermäßigem Trinken die Einlagerung von Wasser, die für den Körper gefährlich werden kann. Deshalb nehmen viele Betroffene auch Entwässerungstabletten, um das Gleichgewicht zwischen Flüssigkeitsaufnahme und Ausscheiden über die Niere stabil zu halten. „Nun soll man ja bei Hitze mehr trinken, aber gleichzeitig darauf achten, dass es nicht zu Wassereinlagerungen kommt“, erklärt Prof. Horlitz die Herausforderung, der sich Patienten vor allem in diesen Hochsommertagen stellen müssen. Sein Tipp: täglich  auf die Waage stellen. „Wer eine auffallende Gewichtszunahme bei sich feststellt, obwohl die Nahrungsaufnahme konstant geblieben ist, muss befürchten, dass sich Wasser eingelagert hat, weil das schwache Herz mit der größeren Flüssigkeitsaufnahme überfordert ist. Hier besteht sogar das Risiko eines lebensgefährlichen Lungenödems, so dass bei Gewichtszunahme rechtzeitig die Dosis der Wassertabletten angepasst werden kann, um Schlimmeres zu verhindern“, so Prof. Horlitz.

Aspirin vor langen Reisen?
Wer mit dem Flugzeug fliegt oder längere Strecken per Auto oder Bus absolviert, sollte sich zur Verhinderung einer Beinvenenthrombose mit gefürchteter Lungenembolie nicht auf die Einnahme von Aspirin verlassen. „Ich weiß zwar, dass sich das Gerücht hartnäckig hält, dass man so angeblich einer Thrombose vorbeugt. Doch Aspirin sorgt hier nicht für einen geeigneten Schutz“, erklärt der Experte. Thrombosen entstehen nämlich in der Regel in den tieferen Beinvenen; da kann das Aspirin aber nicht seine volle Wirkung ausspielen. Prof. Horlitz empfiehlt vielmehr eine Heparin-Spritze oder die einmalige Tabletteneinnahme der NOAKs (neue orale Antikoagulatien; neue Gerinnungshemmer) am Reisetag, die einen effektiven Thrombose-Schutz von 12 bzw. 24 Stunden gewähren. Ob so eine Maßnahme überhaupt sinnvoll ist, muss aber vor Reisebeginn rechtzeitig mit dem Hausarzt besprochen werden! Unabhängig davon darf das Aspirin natürlich nicht abgesetzt werden, wenn es als Dauermedikament zur Behandlung von Durchblutungsstörungen am Herzen, peripherer Gefäße oder bei anderen Erkrankungen eingesetzt wird.

Prof. Horlitz, Chefarzt der Kardiologie


Enge-Gefühl in der Brust und kein Krankenhaus in Sicht - was tun?
Ein Enge-Gefühl in der Brust kann durch einen erhöhten Blutdruck möglich sein! Daher immer die Blutdruckmanschette mit in die Reisetasche packen. „Wenn ein zu hoher Blutdruck vorliegt, können Nitro-Sprays oder spezielle Kapseln mit Blutdrucksenkenden Wirkstoffen für Abhilfe sorgen. Den Nitro-Spray bitte vorsichtig unter die Zunge geben, weil da die Schleimhaut am aufnahmefähigsten ist“, erklärt Prof. Horlitz. Auf keinen Fall mehr als 1-2 Hübe, da es als Reaktion auch zu gefährlichen Blutdruckabfällen kommen kann. Ist der Blutdruck danach wieder normal, kann dies die Ursache gewesen sein. Trotzdem sich nie auf den Bluthochdruck als einzige Ursache verlassen, da hinter den Symptomen der Brustenge im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt verbergen kann. Das ist ein akuter Notfall und muss so schnell wie möglich in einem geeigneten Krankenhaus behandelt werden, am besten mit dem lebensrettenden Herzkatheter.

Herzrasen - helfen kaltes Wasser, starker Druck & Co.?
Herzrasen aus dem Vorhof kann unvermittelt auftreten und Betroffene nicht nur stark verängstigen, sondern auch die Lebensqualität erheblich einschränken, vor allem in Urlaubsregionen, die medizinisch eher unterversorgt sind. „Zunächst kann man sich durchaus damit behelfen, die Nase zuzuhalten und in den Bauch zu pressen. Durch den Druck im Körper kann es zu einer Beendigung des Herzrasens kommen“, sagt Prof. Horlitz. Auch das Trinken von eiskaltem Wasser hat eine ähnliche Wirkung, da im Halsbereich Nervenansammlungen entlang vorliegen, die eine Verbindung zum Herzen haben und entsprechend durch das kalte Wasser stimuliert das Herzrasen beenden können. „Diese Nervengeflechte, die seitlich am Hals etwa in Höhe der Halsschlagader verlaufen, können auch per Finger vorsichtig von außen massiert werden. Aber bitte immer bloß eine Seite massieren, ansonsten kann es bei zu starker Anwendung beidseits im schlimmsten Falle zu einer Bewusstlosigkeit kommen. Schließlich soll noch genügend Blut in den Kopf gelangen“, erklärt der Mediziner. „Natürlich helfen alle diese Tipps nicht in jedem Fall, aber sie sind eine erste Hilfe in der Akutbehandlung, wenn ein kompetenter Arzt am Urlaubsort nicht in der Nähe ist.“ Ist das Herzrasen trotz dieser Manöver nicht zu stoppen, ist sofort ein Arzt zu verständigen, egal wo man sich befindet. „Ich hatte mal einen Patienten, der immer einen Handstand gemacht hat und somit sein Herzrasen beenden konnte. Nur irgendwann musste es passieren: Er brach sich bei einem Handstand die Hand - und am Ende hat er sich einer heilenden Katheterablation unterzogen, die dafür gesorgt hat, nie wieder Herzrasen zu entwickeln“, so Prof. Horlitz.

Marcumar - wirkt es in Urlaubsregionen anders?
In der Tat kann allein der spontane Klimawechsel, aber auch eine vorübergehend andere Ernährung mit unterschiedlichen Mengen an Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln in der Urlaubsregion dafür sorgen, dass der INR-Wert als Maß für die Effektivität von Marcumar erhebliche Schwankungen erfährt und somit lebensgefährliche Blutungen auftreten oder der Schutz vor Schlaganfällen verloren geht. Deshalb sollten Patienten, die ihren INR selber kontrollieren, auf jeden Fall ihr INR-Messgerät mit in den Urlaub nehmen. Zudem sollte jeder Marcumar-Patient sich informieren, in welchen Lebensmitteln besonders viel Vitamin-K steckt (grobe Faustregel: je grüner das Gemüse, desto mehr Vitamin K), um keine INR-Schwankungen zuzulassen. Auch zu diesem Thema gibt es viele sinnvolle Tipps bei der Deutschen Herzstiftung. 

Das sollte sonst noch beachtet werden
Betroffenen wird angeraten, eine Übersicht ihrer Medikamente sowie ihre Erkrankung/Diagnose (in Landessprache übersetzt) im Gepäck mitzunehmen. „Die Medikamente sollten auch in ausreichender Menge mitgeführt werden - und lieber etwas mehr einpacken. Man weiß schließlich nie, ob mal ein Flieger gestrichen wird und Sie erst einen Tag später als geplant wieder nach Hause kommen“, erklärt Prof. Horlitz. Auch sollten Patienten vorab klären, wo am Urlaubsort eine geeignete Klinik für Herzkranke vorliegt, damit im Notfall schnell und richtig gehandelt werden kann. Für den Fall der Fälle empfiehlt sich dann auch, die Telefon-Nummer oder Mailadresse des behandelnden Arztes zu Hause parat zu haben. Manche Dinge können auch auf diesem Wege geklärt werden. "Alle beschriebenen Tipps und Tricks sind nur grobe Orientierungshilfen und müssen nicht bei jedem Herzpatienten geeignet sein, daher unbedingt vor Urlaubsantritt mit dem Arzt des Vertrauens persönlich besprechen, welche Behandlungsmöglichkeiten im Notfall auch ohne ärztliche Anwesenheit sinnvoll und möglich sind", empfiehlt Prof. Horlitz als wichtigste Maßnahme, damit der Urlaub dann auch für Herz-Patienten zur schönsten Zeit des Jahres werden kann.

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Pressestelle des Krankenhauses Porz am Rhein

Marc Raschke
Tel.: 02203.566-1867
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