Shuntchirurgie

Shuntchirurgie

Wir führen in unserer Klinik das gesamte Spektrum der operativen und interventionellen Shuntchirurgie durch. Hierbei legen wir großen Wert auf die Verwendung und den Erhalt körpereigener Gefäße.  Die Eingriffe erfolgen in der Regel in Lokalanästhesie in kurzstationärem Aufenthalt.

Neben der Shuntneuanlage bieten wir sowohl operative als auch interventionelle Shuntrevisionen zur Beseitigung von funktionellen oder strukturellen Shuntproblemen an. Auch Korrektureingriffe bei Durchblutungsstörungen am Shuntarm (Stealsyndrom) führen wir durch. Sollten die körpereigenen Venen nicht mehr zur Herstellung eines sinnvollen, funktionierenden Shunts ausreichen, finden entsprechende Gefäßprothesen Verwendung.
Zum Schutz einer evtl. noch vorhandenen Nierenrestfunktion können ggf. notwendige Gefäßdarstellungen (Angiographien) statt mit jodhaltigem Kontrastmittel auch mit CO2 Gas durchgeführt werden.

Bei unvorhergesehener, plötzlicher Dialysenotwendigkeit oder aber als Überbrückungsverfahren bis zur Shuntreife, implantieren wir ein- oder doppellumige Vorhofkatheter (Demerskatheter).

Shunt Anlage

Der Brescia-Cimino-Shunt wird am Unterarm zwischen der Vena cephalica und Arteria radialis in der Nähe des Handgelenks oder, abhängig von den Gefäßgegebenheiten, weiter ellenbeugenwärts angelegt. Sollte die Shuntanlage am Unterarm gefäßbedingt (z.B. beim Diabetiker oder bei Arteriosklerose) gar nicht möglich sein, kann meist ein Ellenbeugenshunt hergestellt werden. Hier wird bei großer anatomischer Variabilität stets eine individuelle Lösung gefunden. In der Regel wird als arterielles Gefäß die Arteria brachialis und als venöser Anschluss die Vena cephalica, Vena basilica oder die Vena mediana cubiti verwendet. Ein Gracz’scher Shunt kann über eine Vena perforans zur Arteria brachialis hergestellt werden.

Findet die Vena basilica als primäre Shuntvene Verwendung, muss diese in der Regel aufgrund des tiefen Verlaufs nach ca. 6 Wochen Ausreifung  in einem weiteren Eingriff vorverlagert werden. Hiernach ist eine gewisse Einheilungszeit zu beachten.

Ist das ursprüngliche Venenmaterial vollständig erschöpft oder aber von vornherein nicht geeignet, können Prothesenshunts unter der Verwendung von PTFE-Prothesen als Unter- und Oberarmshunt oder gar als Oberschenkelshunt angelegt werden.

Shunt-Revision

Schränken Engstellen in Arterie, Vene oder an deren Verbindungsnaht (Anastomose) die Shuntfunktion ein oder strömt das Blut ungerichtet über Seitenäste ab oder ist der Shunt gar verschlossen, wird eine Shunt-Revision erforderlich. Auch bei starken Aussackungen der Shuntvene können Korrektureingriffe notwendig werden. Hierzu bieten wir sowohl operative als auch interventionelle Lösungen an. Bei komplexeren Läsionen können auch beide Verfahren kombiniert werden.

Kurzstreckige Stenosen können in der Regel mit Hilfe von Ballonkathetern aufgedehnt werden. Hier kommen u.a. Spezialballons wie Cutting Ballons, Hochdruckballons und medikamentenbeschichtete Ballons zum Einsatz. In seltenen Fällen kann auch die Implantation von Stents notwendig werden.

Kommt es aufgrund von Begleiterkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Arteriosklerose oder Herzinsuffizienz) oder bei sogenannten High-Flow-Shunt zu Durchblutungsstörungen des Arms unterhalb der Shuntanastomose (Stealsyndrom), können abhängig von der Ursache verschiedene operative Verfahren Abhilfe schaffen. Hierzu kann z. B. ein anastomosennahes Banding der Shuntvene den Fluss im Shunt reduzieren und damit der körperfernen Extremität mehr Blut zur Verfügung stellen.

Ein weiteres Verfahren ist die Drall-Operation. Wird Aufgrund eines hohen Shuntflusses aus der Arteria radialis hinter der Shunt-Anastomose Blut zurück in den Shunt und über die Hohlhand aus der Arteria ulnaris abgezogen resultiert eine verminderte Durchblutung der Hand. Durch Unterbindung der Arteria radialis jenseits der Shunt-Anastomose kann dies unterbrochen werden. Damit steht der Hand die vollständige Blutmenge der Arteria ulnaris zur Verfügung.

Bei der sogenannten PAVA-Fistel-Anlage (Proximalisierung der Arterio-Venösen-Anastomose) wird die AV-Anastomose in einen körpernäheren Abschnitt des Gefäßsystemes auf die Arteria axillaris verlegt. Dies kann durch ein Kunststoff-Interponat oder durch ein autologes Interponat mit Venenmaterial erfolgen. Das Anzapfphänomen fällt bei größerem Spendergefäßdurchmesser dann bei gleichem Shuntfluss weniger ins Gewicht.

Einen ähnlichen Effekt hat die Drill-Operation, bei der die Arterie jenseits der Shuntanastomose verschlossen wird und die Durchblutung körperfern durch einen Bypass gewährleistet wird.

Demerskatheter

Sollte eine Dialysesituation unvorhergesehen auftreten, ist zunächst die Implantation eines Vorhofkatheters (Demerskatheters) erforderlich. Dieser kann bis zur Ausreifung eines dann zeitversetzt angelegten Shunts oder bei Shuntfehlfunktionen genutzt werden. Die Demers-Anlage wird in der Regel ambulant und in Lokalanästhesie durchgeführt. Die dann folgende Shuntanlage oder -korrektur wird bei uns immer zweizeitig, also in einem zweiten Eingriff, erfolgen.

Demerkatheter sind getunnelten Dialysevorhofkatheter. Sie sind als permanenter Gefäßzugang für die Hämodialyse aufgrund höherer Infektions- und Thromboseraten nicht Mittel der ersten Wahl. Lediglich bei fehlender Shunt- oder Peritonealdialysemöglichkeit, bei ausgeprägten Steal-Syndromen oder schwerer Herzinsuffizienz ist auch eine dauerhafte Dialyse über Vorhofkatheter sinnvoll.