Minimal invasive Gefäßchirurgie

Minimal invasive Verfahren

(Ballon, Stent, endovaskulärer Stent)

Die minimal-invasive Therapieverfahren haben in den letzten Jahren zunehmend klassische operative Behandlungsverfahren von Erkrankungen des Kreislaufsystems zurückgedrängt.

Dank moderner Techniken und sich stetig weiterentwickelnder Materialien (Katheter, Stents)  lassen sich heute durch interventionellen Behandlungsmethoden zahlreiche Gefäßerkrankungen erfolgreich und mit einem hohen Grad an Sicherheit für den Patienten behandeln. In manchen Gefäßprovinzen – wie z.B. bei der Behandlung von Verengungen von Nierenarterien – machen minimalinvasive Therapieformen bereits über 90% der durchgeführten Eingriffe aus.

Aber auch andere Gefäßerkrankungen (wie z.B. Aneurysmen der Brust- und Bauchschlagader, Verengungen der Halsschlager und Beinarterien, Varizen), die ursprünglich Domäne der klassischen Therapieverfahren waren, können heute durch endovaskuläre Verfahren erfolgreich therapiert werden. Dabei haben sie vor allem für den kranken oft multimorbiden Gefäßpatienten durch die geringe Operationsbelastung und raschere Rekonvaleszenz einen großen Vorteil und erweitern die Therapiemöglichkeiten für den konventionell inoperablen Patienten.

Carotischirurgie

Ein Schwerpunkt der Klinik ist die Behandlung von Erkrankungen der Halsschlagader. Große multizentrisch randomisierte Studien haben eindeutig bewiesen, dass die operative Behandlung hochgradiger Verengungen der Halsschlagader die wirksamste Form der Schlaganfallprophyaxe darstellt.

Auch die sogenannten symptomatischen Carotisstenosen (Stadium II, III, IV) sollten nach neustem Kenntnisstand frühzeitig einer operativen Therapie zugeführt werden, weil der Nutzen innerhalb der ersten Wochen signifikant am größten ist.  Dies gilt aber nur für Gefäßzentren mit entsprechenden Mindestmengen und niedrigen Majorkomplikationsraten (MM-Rate <3%).

Die gefäßchirurgische Abteilung in Porz ist bundesweit einer der größten Zentren für Eingriffe an der Halsschalgader  und liegt in der gesetzlich vorgeschriebenen externen Bundesqualitätssicherung (BQS) konstant unter den  geforderten Morbiditäts- und Mortalitätsraten.

Zur Behandlung von Verengungen der Halsschlagader stehen in der Klinik zwei Therapieformen zur Verfügung – das klassische Verfahren mit Ausschälung der Verengung oder das minimal invasive Verfahren mit Angiopastie und Stentimplantation. Beide Verfahren werden mit großer Routine durch den Gefäßchirurgen im Krankenhaus Porz am Rhein durchgeführt. Zur Protektion und Überwachung des Patienten kommt während des Eingriffs ein Neuromonitoring (SSEP) zum Einsatz; im Fall der Intervention wird regelhalt ein Embolieprotektionssystem eingesetzt.                       

Goldstandard des Therapieverfahrens ist nach wie vor die klassische Form, weil – wie multizentrische randomisierte Studien belegen – die Majorkomplikationsraten und auch die Rezidive geringer sind. In einzelnen Subgruppen (Rezidivstenose, hostil neck, kontralateraler Recurrensparese) besteht jedoch ein Vorteil der Intervention und wird entsprechend in der Klinik für Gefäßchirurgie eingesetzt.

Aortenaneurysmachirurgie

Im Gegensatz zur Halsschlagader hat die minimal invasive Therapie bei Erkrankungen der Aorta einen hohen Stellenwert erlangt. Seit den ersten Implantationen von den endovaskulären Prothesen bei Aortenaneurysmen in der Klinik vor 15 Jahren werden heute etwa ein Drittel der Eingriffe in minimal invasiver Technik erfolgreich durchgeführt. Mittlerweile ist die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass in Einzelfällen auch komplexe Aneurysmamorphologien behandelt werden können.

Wo früher eine umfangreicher Eingriffe mit hoher Komplikationsrate notwendig war, besteht heute die Möglichkeit eine spezielle Prothese zu implantieren, die bereits vorgefertigte Aussparungen und Seitenarme für die aus der Aorta abgehende Äste hat. Diese Prothese wird über die Leisten implantiert und gewährleistet neben der Ausschaltung des Aneurysmas  die weitere Versorgung der Bauch und Beckenorganen. Diese Technik ist sehr neu und wird bereits in einzelnen Zentren eingesetzt. Nachdem Dr. May zum endovaskulären Spezialisten zertifiziert wurde,  sind die ersten Implantationen für 2010 geplant.

Venenchirurgie

Nicht nur auf dem Gebiet der arteriellen Gefäßtherapie haben die minimal invasiven Methoden eine große therapeutische Gewichtung erfahren, sondern auch in der Behandlung der Venenerkrankungen. Durch Einsatz spezieller endoluminaler Sonden besteht die Möglichkeit, die erkrankten Venen durch Kälte oder Hitze zu abladieren. Vorteil ist die geringere Hämatomneigung und die Schmerzreduktion für den Patienten. Da diese Methode noch recht neu ist, bestehen derzeit noch keine validen Langzeitergebnisse und der Patient muss in der Regel die Kosten für diese neue Behandlungsmethode selber übernehmen.

Um zukünftig eine individueller Betreuung unserer Venenpatienten zu gewährleisten, wurde innerhalb der gefäßchirurgischen Klinik eine phlebologische Sektion eingerichtet. Das unter Leitung einer Oberärztin bestehende  „Venenteam“ wird über eine eigens eingerichtet Sprechstunde die Patienten betreuen und die neuen schonenden Verfahren schrittweise im Therapiespektrum implementieren.

Fazit:

Minimal-invasive Verfahren sind heute ein fester Bestandteil in der Behandlung gefäßmedizinischer Erkrankungen. Vieles ist machbar, aber nicht alles sinnvoll. Daher bedarf es immer einer individuellen und indikationsgerechten Einsatz der Therapieverfahren. Die einzigartige Möglichkeit unserer Klinik das gesamte Therapiespektrum aus einer Hand anzubieten ist eine wichtige Grundvoraussetzung hierfür. Der Gefäßpatient erhält das bestmöglichste Therapieverfahren.

Entscheidende Vorteile der minimalinvasiven Methoden sind – verglichen mit den klassischen Operationstechniken – das nur geringe Trauma und die daraus resultierende schnelle Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität des Patienten.  Die Langzeiterfolgsraten endovaskulärer Methoden konnten durch die ständige Weiterentwicklung und Verbesserungen der verwendeten Materialien zunehmend gesteigert werden.

Trotzdem müssen diese modernen Verfahren stets kritisch geprüft werden und dürfen nicht ohne Weiteres flächendeckend eingesetzt werden. Diese gehören in die Hände von endovasklären Spezialisten und endovaskulären Chirurgen. Insbesondere neue Verfahren (z.B. gebranchte Stentprothesen, interventionelle Thrombeendarterieketomiekatheter) sollten in entsprechende Zentren eingesetzt werden, die entsprechende professioneller Strukturen und hochqualifizierter Gefäßspezialisten rund um die Uhr vorhalten können.