Pressemitteilung vom 10.03.2018

Neue Medikamente auf dem 12. Porzer Diabetikertag unter der Lupe

Besucherrekord beim 12. Porzer Diabetikertag

So viele waren es noch nie - und das trotz Grippezeit: Mit einem Besucherrekord ging der 12. Porzer Diabetikertag am 10.03.2018 zu Ende. Fast 500 Zuschauer waren in den Saal des Bezirksrathauses Porz gekommen und erfuhren dort von Ärzten des Krankenhauses Porz am Rhein, dass aufgrund neuer Medikamente inzwischen eine sehr individuelle und erfolgreiche des Typ 2 Diabetes möglich ist. - Eine echte Neuheit!


Prof. Holtmeier, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie und Diabetologie im Krankenhaus Porz am Rhein, ging in seinem Vortrag insbesondere auf die positiven Ergebnisse der EMPA-REG-Outsome Studie ein, in der so genannte SGLT-2-Hemmer getestet wurden. Demnach haben Patienten, die diese spezielle Form von blutzuckersenkenden Wirkstoffen einnehmen, bereits nach wenigen Jahren eine signifikant höhere Überlebensrate als die Vergleichsgruppe, die keine SGLT-2 Hemmer erhielten.

Prof. Holtmeier

Darüber hinaus machte Prof. Holtmeier deutlich, dass er Patienten im Idealfall Insulin so spät und so wenig wie möglich spritzen möchte. Schließlich bestehe nicht nur die Gefahr der Gewichtszunahme und der Insulinresistenz, sondern auch ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämie (Unterzuckerung). Im ersten Schritt reichen manchmal schon mehr Bewegung und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, um den Diabetes in den Griff zu bekommen.

In manchen Fällen gelingt ein komplettes Absetzen von Insulin

Sollten sich Patienten bereits Insulin spritzen, sei es zunächst einmal wichtig, die eigene Insulinproduktion (C-Peptid) zu bestimmen. Ist diese ausreichend (insbesondere bei Übergewicht), empfiehlt Prof. Hohlmeier GLP-1 Agonisten (blutzuckersenkender Wirkstoff). Kommt es zu einem Gewichtsverlust, ist eine schrittweise Verringerung des Insulins nötig. Auch sei der Versuch der Umstellung auf ein „24 Stunden Insulin“ möglich; dies wird dann einmal am Tag verabreicht, z.B. abends vor dem Schlafengehen. In manchen Fällen gelinge heutzutage schon ein komplettes Absetzen von Insulin.


Im Foyer gab es Gelegenheit für Gespräche und Tipps an Infoständen rund um Diabetes

Stufentherapie bei Typ 2 Diabetes:

  • Mehr Bewegung + Ernährungsumstellung
  • Metformin
  • Metformin + DPP4 Hemmer (Sitagliptin, GLP-1)

    Bei starkem Übergewicht:
  • Metformin + GLP-1 Agonist 
  • Metformin + GLP-1 Agonist und „Bed-time“ 24h Insuli

    Bei Koronarer Herzerkrankung/Gefäßpatient:
  • Metformin + SGLT2 Hemmer (Empagliflozin)
  • Metformin + GLP-1 Agonist + SGLT2 Hemmer + Insulin??

Prof. Holtmeier warnte davor, bei Diabetes nicht bloß an den Blutzucker zu denken. Die Erkrankung sei vielmehr Teil des metabolischen Syndroms und somit auch und gerade eine Erkrankung der Gefäße. Beim Typ 2 Diabetes besteht kein Insulinmangel, Vielmehr seien die Überwindung der Insulinresistenz sowie Bewegung und Abnehmen das Ziel. Letztlich führe dank moderner Medikamente eine Kombinationstherapie zu einer ausreichenden Wirkung des eigenen Insulins; es ist also kein zusätzliches Insulin erforderlich.

Prof. Horlitz

Damit übergab der Experte den Staffelstab am Rednerpult an Prof. Dr. Marc Horlitz, Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Porz am Rhein. Der renommierte Herzspezialist warnte vor einem massiven Anstieg an Diabetes in der Welt („Alle 10 Sekunden erkranken drei Menschen auf der Welt neu an Diabetes“). Die Zahl der Patienten werde voraussichtlich von 382 Millionen im Jahr 2013 auf 592 Millionen bis 2035 ansteigen. „Die Haupttodesursache bei Typ 2 Diabetes ist in 52 Prozent der Fälle eine Erkrankung der Herzkranzgefäße (KHK)“, so Horlitz.

Diabetes ist eigenständiger Risikofaktor für Vorhofflimmern

Diabetes sei aber nicht nur ein Risiko für einen Herzinfarkt, sondern auch ein eigenständiger Risikofaktor für das Entstehen von Vorhofflimmern. Werde hier zur Einnahme von Blutverdünnern geraten, sei es die leitliniengerechte Empfehlung, die neuen Blutverdünner zu nehmen, die es seit wenigen Jahren auf dem Markt gibt. Zudem sei Sport oder regelmäßige Bewegung wichtig („Sport wirkt wie ein Medikament“), müsse jedoch bei einer Herzerkrankung mit einer wiederkehrenden Leistungskontrollen in der Sportkardiologie einhergehen.

Norbert Bröker, Chefarzt der Nephrologie

Prof. Horlitz ging auch auf die EMP-REG Outcome-Studie ein und erklärte, dass der dort verwendete Wirkstoff (Empagliflozin) zur Gruppe der SGLT2-Hemmer gehört. Diese Hemmer reduzieren die Glucosereabsorption in der Niere, was u.a. zur Ausscheidung überschüssiger Glucose über den Urin führt. Dies wieder hat ein Absinken des Blutzuckerspiegels zur Folge.

Norbert Bröker, Chefarzt der Nephrologie im Krankenhaus Porz am Rhein, erklärte in seinem Vortrag, wie Nierenspezialisten die neuen Medikamente beurteilen. Die Wirkung sei zweifelsohne in Studien bewiesen worden, doch, so Bröker, sei er vorsichtig mit vorschnellem Lob für die Medikamente. Erst in der Langezeitbetrachtung könne man sich eine abschließendes Meinung bilden.

Claudia Lenden

Amüsantes Schauspiel über Alltagsprobleme von Menschen mit Diabetes

Am Ende der Vortragsreihe hieß es Bühne frei für die beiden Diabetesberaterinnen Susanne Mester und Claudia Lenden. In einem kleinen Schauspiel gingen sie sehr amüsant auf die typischen Probleme, Vorurteile und Gespräche ein, die Menschen mit Diabetes im Alltag haben. Ob es der Gatte ist, der seiner an Diabetes erkrankten Frau zum Geburtstag ein Diabetesmessgerät statt Diamantring kauft, oder der Kollege, der sich vom ewigen Zuckermessen am Nachbarschreibtisch im Büro angeekelt fühlt: Diabetes hat Konfliktpotential - und auch das ist Aufgabe von Diabetesberatern, nämlich Betroffene im alltäglichen Umgang mit der Erkrankung zu schulen. Eine Beratung dieser Art erfolgt im Krankenhaus Porz am Rhein.

Susanne Mester

Im Anschluss blieb Zeit für Gespräche mit den Fachärzten im Foyer des Rathaussaals. Dort stellten auch aus: Diabetesteam des Krankenhauses Porz, Gesundheitszentrum am Krankenhaus Porz, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Diabetes-Selbsthilfegruppe, Porzer Apotheken, Pharmazeutische Industrie. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung hatte der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Porz, Henk van Benthem, sowie die "Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes", Landesverband NRW e.V. Bezirksverband Köln/Rhein-Erft-Kreis.

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Pressestelle des Krankenhauses Porz am Rhein

Marc Raschke
Tel.: 02203.566-1867
m.raschke@khporz.de