Pressemitteilung vom 18.06.2013

10. Diabetestag lockt mehr als 200 Besucher ins Bezirksrathaus

So viele kamen noch nie: Mehr als 200 Besucher zählte der 10. Diabetikertag des Krankenhauses Porz am Rhein im Bezirksrathaus Porz. Damit wurden die Erwartungen des Veranstalters, dem Diabetesteam des Krankenhauses Porz am Rhein, übertroffen. Neben informativen Vorträgen zeigte eine Ausstellung im Foyer mit zahlreichen Mitmach- und Probierstationen, wie sich der Kampf gegen den Diabetes aufnehmen lässt. Die Mitarbeiter des Krankenhauses Porz hatten ein Büffet mit vielen gesunden und schmackhaften Ernährungs-Anregungen aufgebaut. Die Botschaft war eindeutig: Achtet auf Euer Gewicht!

"Die Patienten werden immer jünger"

Denn die Zahl der Diabetiker hat sich in den letzten zehn Jahren in Deutschland nahezu verdoppelt, was auch auf die Gewichtszunahme zurückzuführen ist. Deutschland gehört weltweit zu den Staaten, die die meisten Übergewichtigen stellen. "Die Patienten, die aus diesen Gründen einen Diabetes bekommen, werden immer jünger", sagte Prof. Dr. Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Diabetologie im Krankenhaus Porz am Rhein und Leiter des dortigen Diabetesteams.

Übergewicht allein ist jedoch noch kein sicheres Kriterium, an Diabetes zu erkranken. "Wenn Sie nicht die genetische Vorbelastung für Diabetes haben, können Sie so dick sein, wie Sie wollen. Sie werden kein Diabetes bekommen", sagt Prof. Holtmeier. Die Gene lösen einen Diabetes jedoch erst aus, wenn ein gewisses Körpergewicht überschritten ist.

Der Experte weiß: Fett ist nicht gleich Fett

In der Evolution des Menschen war das Diabetes-Gen ursprünglich vorteilhaft: Wer viel Gewicht ansetzte, hatte in der Steinzeit höhere Überlebenschancen. Dieser Vorteil hat sich mit zunehmender Lebensdauer und unter den Bedingungen der heutigen Zivilisation ins Gegenteil verkehrt. Wobei die Experten unterscheiden: Fett ist nicht gleich Fett. Während das Fett direkt unter der Haut für den Diabetes eher weniger problematisch ist, kann das Fett im Körperinneren um die Organe herum entscheidend sein. "Gerade Frauen tendieren dazu, eher an den Oberschenkeln oder an den Hüften zuzunehmen. Das ist nicht schlimm. Wenn sich aber das Fett eher im Oberbauch befindet, ist die Chance größer, Diabetes zu bekommen."

Diabetes ist aber nur ein Teil des Problems. Meist gehen mit ihm ein hoher Blutdruck und erhöhte Blutfettwerte einher. "Man nennt das in der Medizin das tödliche Quartett", sagt Prof. Holtmeier. Es gibt kaum einen Typ-2-Diabetiker, der nicht auch einen erhöhten Blutdruck hat. Hinzu kommt meist noch ein Bewegungsmangel, wodurch natürlich das Übergewicht steigt. Auch Atemaussetzer während des Schlafs sind oft zu beobachten und müssen therapiert werden. Zudem kann es zu Gerinnungsstörungen des Blutes kommen, weshalb Diabetiker auch ein erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu bekommen. 55 Prozent aller Schlaganfälle in Deutschland sind durch den Diabetes verursacht. 

70 Prozent der Beinamputationen sind auf Diabetes zurückzuführen

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind meist schon Schädigungen im Körper festzustellen. Diabetes entwickelt sich nämlich schleichend über zehn Jahre und mehr. Dabei kann es z.B. zu Gefäßschäden kommen, weshalb auch Dr. Hoppe, leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie im Krankenhaus Porz am Rhein, über Schädigungen des Herzens in Verbindung mit dem Diabetes referierte. Etwa ein Drittel aller Herzinfarkte geht auf das Konto des Diabetes. "Überall, wo feine Gefäße im Körper die Durchblutung sicherstellen, kann es zu Schädigungen kommen", sagt Prof. Holtmeier. Neben dem Gehirn, dem Herz, den Nieren und den Augen können auch die Beine davon betroffen sein. Deshalb berichtete Oberärztin Dr. Alexandra Zidek aus der Gefäßchirurgie des Krankenhauses Porz am Rhein über das diabetische Fußsyndrom. Allein 70 Prozent aller Fuß- bzw. Beinamputationen sind bundesweit durch den Diabetes bedingt. 

Während der Typ-1-Diabetes auf einen Insulinmangel im Körper zurückgeht, ist der Typ-2-Diabetes durch einen Insulinüberschuss gekennzeichnet. "Am Anfang der Erkrankung haben die Betroffenen also viel zu viel Insulin im Körper, das kann bis zu zehnmal so viel Insulin sein wie bei einem gesunden Menschen." Dennoch haben die Betroffenen einen hohen Blutzucker, weil das Insulin nicht richtig wirken kann. Das Insulin wird schlicht nicht in die Zellen gelassen, die es verarbeiten können. "Diese Barriere in die Zelle hinein muss also überwunden werden", erklärt Prof. Holtmeier. Neue Medikamente setzen genau hier an, die Dr. Rainer Lehmann, Oberarzt in der Klinik für Diabetologie im Krankenhaus Porz am Rhein, in seinem Vortrag vorstellte. "Je besser ein Diabetiker seinen Blutzucker eingestellt hat, umso weniger Komplikationen sind zu erwarten", sagt Prof. Holtmeier.

Bei einer Diät sollte in Jahren gedacht werden 

Das Problem bei der Gewichts- und Insulinkontrolle ist, dass es sich um einen Teufelskreis handelt: Insulin ist nämlich ein Wachstumsstoff. Je mehr Insulin produziert wird, desto stärker steigt das Übergewicht an. Und je mehr Übergewicht vorhanden ist, desto mehr Insulin ist nötig. Deshalb ist Gewichtsabnahme durch Bewegung sinnvoll, rät Diabetesberaterin Monika Winkler. "Hier sollte man aber nicht - wie bei einer Diät sonst üblich - in Tagen oder Wochen, sondern eher langfristig in Jahren denken. Wenn Sie pro Jahr fünf Kilo abnehmen und auch halten, ist das schon sehr gut", rät Prof. Holtmeier.

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Marc Raschke
Tel.: 02203.566-1867
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